Es gibt wahrlich nicht mehr viele Menschen, die noch beim Abschied am Bahnhof mit einem Taschentuch winken. Eigentlich eine schöne Unsitte / Anachronismus. Beim Mann würde ich ein rotes Tuch bevorzugen; die Dame darf ruhig mit Spitze wehen.
Das schöne am Zugfahren ist auch oft die Landschaft zwischen den reichlich vorhandenen eingefallenen, verlassenen und beschmierten Bahnhöfen. Einzig an den Halten der Unterzentren oder höher wird noch großartig ausgebessert oder -gebaut.
Andächtig macht auch ein Sonnenuntergang während der Fahrt: Wie der Horizont unter dem Feuerball herstreift und man 5 Minuten vor der Kälte zwischen den vom Laub befreiten Bäumen direkt, in einem stetigen Flimmern durch die Bewegung der Bahn, sich vom Gelb-Orange übermannen lässt und gar nicht mehr lassen kann, sofort die Staffelei mit Rapsgelb, Verkehrsrot und Tiefschwarz hervorholen möchte, wie man doch diesen Augenblick zurücksehnt und ihn trotzdem vergisst, wenn der Schein des Neons und Natriums einsetzt; das ist das immer wieder Einmalige.
Igendwer hat was von Zombies erzählt, die durch ihr Leben gehen ohne anzustrebende Ziele, leer im Inneren. Das hat im Allgemeinen mehr Gültigkeit, als ich es selbst zugetraut habe. Schwul bin ich deswegen noch lange nicht. Aber ist nich jeder irgendwie zu irgendwas ein Außenseiter?
Den Film muss ich auch noch weitermachen. Leider ohne Kameramann, also nur statische Bilder. Die bisher abgedrehten Szenen müssen bestimmt wiederholt werden, da die letzten 90 % des Drehbuches noch nicht feststehen und ein jetziges Weiterarbeiten die Kontinuität im Film in ganz erheblischem Maße untergräbt.
Heute wurden schon 2 mal Bedarfshalte angefahren.
Ich brauche kein rotes Taschentuch. Begrüßen ist ja auch viel schöner als Verabschieden und wird hoffentlich häufiger passieren als jenes; was bis jetzt ja noch nicht passieren konnte.
Bahnfahren ist auch deswegen so herrlich entspannend, weil man nicht immer an die züngelnde, hald anstehende Analysisprüfung denken muss.
Fliege oder Krawatte? Sagen!
- .w